Para-Alpinismus 2.0

Bei manchen Bergbesteigungen, gerade im Himalaya, ist der Zustieg häufig eine der größten Schwierigkeiten. Der "Zuflug" mit dem Gleitschirm ist eine interessante Alternative.

Beim Zuflug zum Langtang Lirung.
// Quelle: Facebook, A. Girard
Im April diesen Jahres hat der französische Abenteurer und X-Alps-Pilot Antoine Girard ein neues Kapitel im Para-Alpinismus geschrieben. Wenn bisher über die Kombination aus Bergsteigen und Gleitschirmfliegen gesprochen wurde, dann war damit der Aufstieg zu Fuß und der fliegende Abstieg mit dem Schirm gemeint. Antoine Girard probierte gemeinsam mit Julien Dusserre in Nepal eine neue Variante.

Beide wollten den 7227 Meter hohen Langtang Lirung besteigen, allerdings auf einer Route an der Nordost-Flanke, die bisher niemand gewagt hatte. Dort ist unter den Gletscherabbrüchen ständig mit gefährlichem Eisschlag zu rechnen.

Ihre Idee: Wie wäre es, den Gleitschirm gewissermaßen für einen Zuflug nutzen. Von Thermiken empor getragen, könnte man den langwierigen und riskanten Zustieg gewissermaßen in der Luft überbrücken und so dem Alpinismus neue Wege öffnen.

Gedacht, getan: Girard und Dusserre setzten ihren Plan in die Tat um und schlugen in mehr als 5200 Meter Höhe, oberhalb der gefährlichsten Eis-Abbrüche, ihr Basislager auf, das sie allein mit dem Gleitschirm erreichten.

Der eigentliche Aufstieg auf den Langtang Lirung blieb ihnen letztlich wegen schlechten Wetters verwehrt. Doch die Grundidee, den Gleitschirm nicht nur als Ab-, sondern auch als Aufstiegshilfe einzusetzen, erwies sich als interessante neue Option. In einem lesens- und von den Bildern her sehenswerten Beitrag für das Online-Magazin des Ausrüsters Petzl schreibt Antoine:
"Im Himalaya zu Klettern ist häufig mit äußerst strapaziösen Zustiegen verbunden. Mit einem Gleitschirm kann man die gleiche Distanz in zwei Stunden überwinden und dann noch am gleichen Tag wieder vom Gipfel herunter kommen. Auf diese Weise könnte man bei einer Expedition gleich mehrere Gipfel hintereinander erklimmen. Am Ende eröffnet dieser neue Zugang zu den Bergen so viele neue Möglichkeiten. Es ist wie eine völlig neue Disziplin."
Auch auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht Antoine Girard derzeit nach und nach Bilder und kurze Videos von dem Trip.
Share on Google Plus

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hat das nicht auch schon der selige Ueli Steck gemacht, um Eiger, Jungfrau und Mönch an einem Tag besteigen zu können?

Lucian Haas hat gesagt…

Abgleitend hat Ueli Steck das gemacht, ja, aber nicht mit der Thermik hoch fliegend, um sich so Teile des Zustiegs zu ersparen oder überhaupt neue Routen zu eröffnen.

Thomas Windbüchler hat gesagt…

Hallo Lucian!

passend dazu hier ein Link einer Tour die Michael Kräftner und Dani Arnold vor wenigen Wochen an der Grandes Jorasses Nordwand gemacht haben:

http://www.bergtraum.at/leichentuch-grandes-jorasses-2017/#more-14325

lg Thomas